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Schokolade und das Spiegelklavier

Für meine zwei Lichter.

Ein Treffen nach der Schule

Die Sonne tauchte den großen Flughafen in ein weiches, warmes Gelb. Es war die Zeit, in der die Vögel begannen, ihre Schlaflieder zu singen, und die großen, lauten Passagierflugzeuge nach Hause kamen.

Dami, ein Junge mit wachen Augen und einem Lachen, das wie kleine Glocken klang, stand wartend am Zaun des Flugfeldes. Er wartete auf seinen besten Freund. Und da kam er auch schon angerollt: Schokolade.

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Schokolade war kein normales Flugzeug. Er war ein kleiner, propellerbetriebener Flieger, der aussah, als hätte ihn jemand aus einem riesigen Stück Vollmilchschokolade geschnitzt. Er glänzte braun und tief Lila im Licht der untergehenden Sonne. Und das Besonderste war sein Gesicht vorne auf der Propellernase. Es hatte große, freundliche Augen, die blinzeln konnten, eine kleine Stupsnase und einen Mund, der immer zu einem Schmunzeln bereit war.

Schokolade kam sanft zum Stehen und die beiden Freunde begrüßten sich. Wie jeden Abend fragten sie sich als Erstes: „Wie war dein Tag?“

Sofort sprudelte es aus Dami heraus. Seine Hände bewegten sich in der Luft, als würde er unsichtbare Tasten drücken. „Oh, Schokolade! Heute im Musikunterricht, da war es toll! Wir haben das große Klavier gespielt. Am Anfang waren die Töne ganz tief, wie wenn ein Bär brummt: Brumm, Brumm. Aber dann wurden sie immer höher, wie kleine Vögelchen: Zirp, Zirp. Es hat sich angefühlt, als ob meine Finger tanzen!“

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Schokolade blinzelte und sein Mund formte ein kleines „Oh“ des Staunens. „Das klingt, als hättest du Musikmagie gemacht, Dami“, sagte er mit seiner tiefen, brummigen Stimme. „Aber warte, bis du hörst, was ich gemacht habe!“

Schokolade schien auf seinen Rädern beinahe ein bisschen zu hüpfen. „In der Flugzeugschule haben wir heute Looping fliegen geübt! Mein Fluglehrer, ein großer, strenger Jet, hat es vorgemacht. Erst sind wir ganz tief geflogen, und dann – ZOOOM – Nase nach oben, Vollgas! Die Welt hat sich gedreht, der Himmel war unten und die Erde war oben! Es war, als würde mir mein Bauch sagen: ‚Schau mal, wie mutig du bist!‘“

Dami lachte und legte seine Hand auf Schokolades kühle, braune Tragfläche. „Das war bestimmt ein Gefühl, wie wenn man auf dem Spielplatz ganz hoch schaukelt und die Luft kitzelt, oder?“

„Genau so“, lachte Schokolade. Die beiden Freunde waren glücklich, dass sie ihre Erlebnisse teilen konnten. Aber tief in Schokolades Schokoherz begann sich ein Gedanke zu formen... Er dachte an ein neues, gemeinsames Abenteuer.

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Das Spiegelklavier und die Bonbon-Welt

Dami und Schokolade wussten genau, wer ihnen noch bessere Geschichten erzählen konnte als sie sich selbst: Samy. Samy war ein Mädchen, das fast so bunt war wie ein Regenbogen. Sie trug meistens geringelte Socken, hatte wilde, lila gefärbte Locken und einen Rucksack voller Abenteuerlust. Sie liebte ihr Skateboard und lebte im alten, gemütlichen Haus ihrer Oma, die allerdings selten da war, weil sie die Welt bereiste.

Dami schwang sich auf Schokolades Tragfläche und gemeinsam flogen sie zu Samy. Sie landeten auf dem Weg, der zum Haus von Samys Oma führte und rollten das letzte Stück. Das Haus stand am Rand eines großen, alten Gartens und roch immer ein bisschen nach Zimt und alten Büchern.

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„Samy! Samy! Wir sind da!“, rief Dami schon von Weitem. Samy kam aus der Haustür gestürmt, ihr lila Lockenkopf wippte, und sie strahlte über das ganze Gesicht. „Dami! Schokolade! Kommt schnell! Ihr glaubt nicht, was ich gefunden habe!“

Die Freunde drängten sich in den gemütlichen Flur. Schokolade konnte nur durch die große Tür im Garten hineinkommen, und selbst für diese musste er sich noch ganz klein machen und zusammenkauern, um ins Haus zu passen. Mitten im Wohnzimmer stand, was Samy ihnen unbedingt zeigen wollte: Ein altes, dunkles Klavier, ähnlich wie das in Damis Schule, aber dieses hier hatte Schnitzereien, die wie kleine, schlafende Gnome aussahen.

Samy war ganz aufgeregt. „Es ist Omas Klavier. Aber schaut mal!“ Sie setzte sich auf den Hocker und begann zu spielen. Sie spielte keine Lieder wie Dami, sondern eine ganz eigene, sprudelnde Melodie. Und dann geschah etwas Unglaubliches.

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Über dem Klavier, genau dort, wo Samy hinguckte, begann die Luft zu flimmern. Ein leuchtender, lila Wirbel entstand, und plötzlich stand da ein Spiegel. Aber es war kein normaler Spiegel, der nur das Zimmer zeigte. Wenn man hineinschaute, sah man eine andere Welt.

Samy hörte auf zu spielen und der Spiegel wurde wieder kleiner, aber er verschwand nicht ganz. „Ich bin schon einmal hindurchgegangen“, flüsterte sie mit großen Augen. „Es war magisch! Überall waren Feen, so klein wie Glühwürmchen, und sie hatten Flügel aus reinem Licht. Es hat sich angefühlt, als ob man in weicher Watte schwebt.“

Dami und Schokolade hielten den Atem an. Aber Samy erzählte weiter, und ihre Stimme klang jetzt ein bisschen ernster: „Ich war so glücklich, dass ich die Zeit vergessen habe. Aber plötzlich wurde der Spiegel immer kleiner. Er fing an zu schrumpfen! Ich musste ganz schnell rennen. Ich konnte gerade noch herausspringen, bevor er ganz verschwunden war. Das war… ein bisschen gruselig.“

Dami und Schokolade schauten sich an. Dami hatte ein bisschen Angst, aber die Neugier war größer. Schokolade blinzelte mutig. „Wollen wir es auch ausprobieren?“, fragte Dami leise.

„Na klar!“, rief Samy und begann wieder zu spielen, diesmal noch kräftiger. Der Spiegel wurde riesig, groß genug, dass Dami und Samy und sogar Schokolade — der sich ganz klein machte — hindurchpassen konnten. Sie nahmen Anlauf und – HUI – sprangen sie gemeinsam durch den Wirbel.

Doch sie landeten nicht in der Feen-Welt. Als sie die Augen aufmachten, roch es süß. Sehr süß. Überall um sie herum lagen Bonbons. Es gab Flüsse aus flüssiger Lakritze, Hügel aus Marshmallows, und die Bäume hatten Blätter aus Lutscherpapier. Sogar der Boden war aus klebrigem Gummibärchen-Stoff. Es war eine Zauberwelt voller Bonbons. Der Himmel war in leuchtendem Gelb und Pfirsichfarben, und die Sonne sah aus wie eine riesige, gelbe Zitrone.

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Während sie noch staunten, kam ein lustiges Wesen auf sie zugekullert. Es war eine große, bunte Kugel, die aussah wie ein Riesenbonbon, mit zwei dünnen Beinchen und einem großen, breiten Grinsen im Gesicht.

„Guten Tag, guten Tag!“, rief das Bonbonwesen mit einer piepsigen Stimme. „Ihr seht aus, als hättet ihr Hunger! Wollt ihr ein Bonbon kaufen? Ich habe die besten Bonbons der Welt! Zitrone, Erdbeere, Waldmeister – alles da!“

Dami schaute sich um. Er sah ein Bonbon an einem Ast hängen, ein anderes lag direkt vor seinen Füßen. „Aber…“, sagte er und kratzte sich am Kopf, „überall liegen doch Bonbons herum. Warum sollen wir sie kaufen?“

Das Bonbon-Wesen kicherte und zwinkerte. „Das ist ein Geheimnis! Meine Süßigkeiten… die schmecken noch süßer, weil sie mit Liebe verpackt sind!“ Es hielt ihnen einen glitzernden, lila verpackten Lolly entgegen.

Samy und Dami mussten lachen. Das war wirklich ein lustiger Ort. Sie unterhielten sich noch ein bisschen mit dem Bonbonwesen (das eigentlich nur Süßigkeiten verkaufen wollte), aber sie merkten, dass der süße Geruch langsam ein bisschen stark wurde. Sie bekamen sogar ein wenig Bauchschmerzen von dem ganzen Zuckerduft.

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Samy schaute sich suchend um. „Wir müssen zurück, bevor der Spiegel schrumpft!“, erinnerte sie sich. Sie entdeckten den lila flimmernden Wirbel des Spiegels, der schon ein kleines bisschen kleiner aussah als vorher. „Na, dann los!“, rief Dami. Sie verabschiedeten sich von dem Bonbonwesen, nahmen Anlauf und sprangen zurück durch den Spiegel.

Mit einem weichen Plumps landeten sie alle wieder auf Omas Teppich im Wohnzimmer. Der Spiegel über dem Klavier wurde kleiner und kleiner, bis er mit einem leisen Pling ganz verschwand. Samy, Dami und Schokolade lagen keuchend, aber glücklich auf dem Boden. Das war ein echtes Abenteuer.

„Die Feen-Welt war schöner“, sagte Samy und strich sich eine lila Locke aus dem Gesicht, „aber die Bonbon-Welt war… sehr süß.“

Dami nickte und legte seine Hand auf Schokolades braune Tragfläche. „Und wir sind sicher wieder zurück“, sagte er dankbar.

Abenteuer in der Urzeit-Welt

Ein paar Tage nach dem süßen Abenteuer in der Bonbon-Welt kribbelte es den drei Freunden schon wieder in den Füßen – und bei Schokolade in den Rädern. Sie trafen sich bei Omas Haus, und Samy setzte sich zielstrebig ans Klavier. Diesmal schlug sie ein paar tiefere, wildere Töne an. Kaum erschien der lila leuchtende Spiegelwirbel, nahmen sie Anlauf und sprangen gemeinsam hindurch.

Die Luft roch plötzlich nach warmem Staub und exotischen Pflanzen. Als sie sich umsahen, standen sie mitten in einem dichten Dschungel aus riesigen Farnen. In der Ferne rauchte gemütlich ein Vulkan in den gelben Himmel.

Dami starrte mit großen Augen auf eine Lichtung vor ihnen. „Leute... schaut mal da drüben!“, flüsterte er aufgeregt und zupfte Samy am Ärmel.

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Dort waren Menschen in Fellen zugange, die aussahen, als kämen sie direkt aus der Steinzeit. Aber sie waren nicht allein. Ein riesiger Triceratops zog seelenruhig einen Holzpflug durch die Erde. Ein paar Kinder tollten lachend mit einem kleinen Ankylosaurus herum, als wäre er ein gepanzertes Hündchen, und am Waldrand schnüffelten flinke Compsognathus wie kleine Hühner nach Wurzeln.

„Wahnsinn“, flüsterte Dami und seine Augen leuchteten. „Das sind echte Dinos! Und seht ihr den großen da hinten, der am Baum festgebunden ist? Das ist ein T-Rex! Aber sieht aus wie ein braver Jagdhund!“

In diesem Moment drehten sich die Menschen um. Sie hatten Schokolade entdeckt. Erst wichen sie ein paar Schritte zurück, doch als Schokolade freundlich mit den Augen blinzelte und sanft mit den Propellern wackelte, kamen sie neugierig näher.

„Seid gegrüßt, fliegender Vogel und kleine Zweibeiner!“, rief einer der Männer lachend. Zur großen Überraschung der Freunde sprachen sie genau dieselbe Sprache. Die Urmenschen waren unglaublich herzlich und luden die drei sofort an ihr Lagerfeuer vor der großen Höhle ein, wo es herrlich nach gerösteten Urzeit-Früchten duftete. “Wo sind denn eure Frauen?”, frage Samy neugierig. Einer der Männer, der sich als Murbl vorgestellt hatte, erklärte, dass gerade die beste Zeit sei, um leckere Wurzeln und Früchte zu finden. Daher waren alle Frauen gemeinsam unterwegs, um Vorräte zu sammeln. Coole Heldinnen, dachte Samy.

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Während sie zusammen aßen, legte sich ein Schatten über das Gesicht des Stammesältesten. „Wir leben friedlich hier“, erzählte er leise, „aber drüben am großen Fluss wohnt ein Spinosaurus. Er greift unser Dorf an und hat sogar schon einige unserer liebsten Hausdinos gefressen. Wir wissen nicht, was wir tun sollen.“

Samy sprang sofort auf, ihre lila Locken flogen wild umher. „Das geht ja wohl überhaupt nicht!“, rief sie empört und ballte die Hände in die Hüften. „Der kann doch nicht einfach eure Freunde fressen. Wir müssen ihn sofort verjagen!“

Dami nickte nachdenklich und stützte das Kinn in die Hand. „Ein Spinosaurus... der jagt eigentlich am Wasser. Wenn wir ihn an Land locken...“

Plötzlich riss Samy die Augen auf. „Wartet! Der Spiegel!“, rief sie. „Er wird bestimmt wieder kleiner, wie beim letzten Mal! Ich laufe schnell zurück, spiele das Klavier noch einmal, damit der Spiegel groß bleibt, und komme sofort wieder! Denkt euch schon mal einen Plan aus!“

Und schwupps, war aufgesprungen und davon gerannt in Richtung des flimmernden Wirbels. Dami und Schokolade atmeten erleichtert auf, als sie nur wenig später wieder zurückkehrte, den Daumen triumphierend nach oben gestreckt. „Spiegel ist sicher. Jetzt zum Spinosaurus!“

Schokolade ließ seinen Motor aufheulen und grinste breit. „Ich übernehme die Luft“, sagte er entschlossen. „Samy, traust du dich, ihn ans Ufer zu locken?“

Samy nickte eifrig. Eines der Urmenschen-Kinder reichte ihr einen der schnellen kleinen Compsognathus. „Na los, Kleiner, wir spielen jetzt Fangen!“, flüsterte sie ihm zu.

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Sie schlichen sich zum Flussufer. Als der furchteinflößende Spinosaurus mit seinem riesigen Rückensegel stampfend aus dem Wasser kam, sprang Samy mutig aus dem Gebüsch, winkte wild mit den Armen und rannte mit dem kleinen Dino los. Der Raubsaurier brüllte und wollte gerade hinterherjagen – da schoss ein braun-lila Blitz vom Himmel.

ZOOOOM!

Schokolade stürzte im Sturzflug herab. Er flog haarscharf über die Nase des Spinosaurus, zog steil nach oben, machte einen perfekten Looping und knatterte dabei mit seinem Motor, so laut er nur konnte. Er drehte wilde Spiralen direkt um den Kopf des verdutzten Sauriers und schnitt lustige Fratzen.

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Das war dem Spinosaurus eindeutig zu viel. Er hatte in seinem ganzen Urzeitleben noch nie ein lautes, schreiendes, fliegendes Etwas gesehen. Mit einem jaulenden Geräusch drehte er sich um, platschte panisch zurück in den tiefen Fluss und schwamm so schnell er konnte davon.

Die Urmenschen jubelten lautstark. Sie umarmten Dami und Samy und klopften Schokolade begeistert auf die Tragflächen. Zum Dank brachten sie ihnen wunderschöne, weiche Felle und ein paar bunt bemalte Steine als Andenken.

Mit vollen Armen und stolzen Gesichtern winkten die drei Freunde ihren neuen Urzeit-Freunden zu, bevor sie mit einem letzten mutigen Sprung durch den lila Wirbel wieder sicher in Omas Wohnzimmer landeten.

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Die Welt der flüsternden Vögel

Es war Freitagnachmittag, die Schule war endlich aus, und die Sonne schien warm auf den Asphalt vor Omas Haus. Dami, Samy und Schokolade saßen im Gras und beobachteten die Wolken. Dami hatte sich ein Gänseblümchen zwischen die Zähne gesteckt und dachte angestrengt nach.

„Ich wünschte, ich wüsste, wie der Spiegel aussucht, wohin wir reisen“, murmelte er. „Ob es an der Melodie liegt, die Samy spielt? Oder daran, woran wir gerade denken?“

Samy zuckte mit den Schultern und ließ ihr Skateboard über den Rasen rollen. „Vielleicht will der Spiegel uns einfach überraschen!“

Schokolade wackelte ungeduldig mit seinen Tragflächen. „Egal wie er funktioniert“, brummte er tief aus seinem Motor, „Hauptsache, es gibt genug Platz für einen ordentlichen Looping. Wollen wir los?“

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Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen. Im Haus roch es wie immer nach Zimt. Samy setzte sich ans Klavier, ließ die Finger knacken und spielte eine schnelle, fröhliche Melodie, die ein bisschen wie ein Marschlied klang. Sofort begann die Luft zu flimmern. Der lila Wirbel tauchte auf, groß und einladend. Sie nahmen Anlauf, schlossen die Augen und sprangen hindurch.

Als sie die Augen wieder öffneten, wehte ihnen der Geruch von Kiefernnadeln und feuchter Erde um die Nase. Sie standen auf einem Hügel. Unten im Tal lag ein großes Feldlager mit streng angeordneten, quadratischen Zelten aus rotem Stoff. Auf der anderen Seite des Tals, tief im Wald versteckt, sahen sie kleine, runde Hütten mit Dächern aus Stroh.

Dami schnappte hörbar nach Luft. Seine Augen wurden riesengroß. „Samy! Schokolade! Seht ihr das?“, rief er aufgeregt und zeigte erst auf das rote Lager, dann auf den Wald. „Das sind Legionäre! Römische Soldaten! Und da drüben... das müssen Gallier sein! Wir haben das gerade in der Schule. Das ist ja der absolute Wahnsinn!“

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Als es dämmerte und sie vorsichtig den Rand des Hügels hinabschlichen, um sich alles genauer anzusehen, bemerkten sie etwas sehr, sehr Seltsames.

Auf dem Weg unter ihnen marschierte eine Gruppe römischer Soldaten in glänzenden Rüstungen. Aber sie unterhielten sich nicht miteinander. Jeder von ihnen hatte einen großen, schwarzen Raben auf der Schulter sitzen. Die Raben krächzten ununterbrochen leise in die Ohren der Soldaten, und die Soldaten nickten steif, drehten sich genau so, wie die Vögel es krächzten, und marschierten stumm weiter.

„Was ist denn mit denen los?“, flüsterte Samy und rieb sich die Augen. „Die sehen aus wie ferngesteuert.“

Plötzlich hörten sie lautes Rascheln aus dem Wald hinter den Römern. Ein großer Mann mit wildem, rotem Schnurrbart und einer Hose, die aussah, als hätte sie ein Riese aus blau-weiß karierten Tischdecken genäht, rannte um sein Leben. Anders als die Römer hatte er jedoch keinen Vogel auf der Schulter, der ihm den Weg wies. Er blickte sich gehetzt um, hechtete nach links, aber drei der Raben-Römer hatten ihn bereits entdeckt und zogen ihre Schwerter.

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Samy sprang auf. „Die greifen ihn an!“, rief sie wütend. „Drei gegen einen, das ist feige!“

Schokolade fackelte nicht lange. „Haltet euch fest!“, brummte er. Dami und Samy sprangen auf seine Tragflächen. Schokolade ließ den Motor laut aufheulen, sodass es wie das Brüllen eines Drachen klang, und stürzte sich den Hügel hinab.

Er flog so tief, dass seine Räder das hohe Gras streiften. Mit einem eleganten, rasanten Schlenker flog er direkt zwischen die verdutzten Römer und den erschöpften Gallier. „Aufsteigen, schnell!“, rief Dami und streckte dem Mann die Hand entgegen.

Der Gallier zögerte keine Sekunde. Er packte Damis Hand, schwang sich mit einem gewaltigen Satz hinter ihn auf das Flugzeug, und Schokolade zog die Nase steil nach oben in den Himmel. Die römischen Soldaten blieben mit offenen Mündern stehen, während ihre Raben wütend und durcheinander krächzten.

„Beim großen Himmel!“, keuchte der Mann, als sie sicher über den Baumwipfeln flogen und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Das war knapp!“

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Schokolade landete sanft auf einer Lichtung mitten im gallischen Dorf. Überall standen runde Hütten, und der Duft von gebratenem Fleisch lag in der Luft. Die Dorfbewohner, fast alle mit bunten Kea-Papageien auf den Schultern, strömten zusammen und starrten das sprechende Flugzeug an.

Da rauschte plötzlich von oben ein besonders prachtvoller Kea-Papagei mit schimmernden, smaragdgrünen Federn heran und landete treffsicher auf der Schulter des geretteten Mannes.

„Ich sage dir immer, du sollst dich nicht ohne mich davonstehlen, Bravurix. Das gibt immer nur Ärger!“, krächzte der Vogel mütterlich neckend, strich ihm aber liebevoll mit dem Schnabel über die Wange.

Der Mann lachte schallend und klopfte Schokolade so kräftig auf die Seite, dass das Flugzeug ein bisschen wackelte. „Verzeiht, meine weise Arberella. Aber dafür habe ich neue Freunde gefunden! Ihr habt Bravurix gerettet, den Häuptling dieses Dorfes! Kommt an unser Feuer! Heute Abend gibt es Wildschweinbraten, bis wir platzen!“

Am Abend saßen sie alle gemeinsam am großen Feuer. Arberella, die weise Königin der Vögel, neigte majestätisch den Kopf in Richtung der Kinder. „Ihr seid mutig“, sagte sie mit einer erstaunlich sanften Stimme. „Aber seid auf der Hut. Der große Julius Cäsar drüben im Lager hat auch einen Vogel. Perfidis. Einen Raben, schwärzer als die Nacht. Und Perfidis flüstert Cäsar nur eines ein: Krieg.“

Dami, Samy und Schokolade sahen sich im flackernden Licht des Feuers an. In was für eine seltsame Welt waren sie da nur geraten?

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Die Vogellosen und die schrumpfende Tür

Am nächsten Morgen weckte sie der Geruch von feuchtem Gras und kaltem Lagerfeuer. Die bunten Kea-Papageien im Dorf krächzten schon lautstark ihre ersten Ratschläge und Anweisungen in die Ohren der Gallier. Dami, Samy und Schokolade schlenderten noch etwas verschlafen zum Rand der Siedlung, wo ein tiefer Steinbruch lag. Dort arbeiteten Männer und Frauen, die mit schweren Hämmern Steine für neue Hütten klopften.

Dami blinzelte und schaute genauer hin. „Samy, schau mal“, flüsterte er und zupfte sie am Ärmel. „Die Leute da unten... die haben gar keine Vögel auf den Schultern!“

Sie kletterten vorsichtig den staubigen Pfad hinunter. Ein älterer Mann mit schwieligen Händen wischte sich den Steinmehlschweiß von der Stirn und lächelte sie freundlich an. „Wir sind die Vogellosen“, erklärte er mit ruhiger Stimme, als Dami ihn fragte. „Wir haben keinen Vogel, der uns sagt, was wir tun und lassen sollen. Die anderen im Dorf halten uns für Außenseiter, weil wir nicht auf den niemals endenden Fluss der Informationen hören. Deshalb machen wir die schweren Arbeiten. Aber wisst ihr was? Wir sind nicht traurig darüber. Wir sind frei in unseren Gedanken.“

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Dann sah der Mann sich kurz um, beugte sich vor und flüsterte: „Die Menschen hier leiden, weil es immer wieder Krieg gibt. Aber dieser ganze Krieg zwischen Römern und Galliern... man erzählt sich, das sei eigentlich nur ein alter, privater Streit zwischen unserer Arberella und dem schwarzen Raben Perfidis.“

Samys Augen wurden groß, denn ihr Gerechtigkeitssinn entflammte sofort. Sie stampfte mit dem Fuß auf den Boden. „Ein ganzer Krieg, nur weil zwei Vögel sich streiten? Das ist verrückt! Das müssen wir stoppen!“

Sie liefen schnurstracks zurück ins Dorf zu Arberella. Die smaragdgrüne Papageien-Königin putzte gerade ausgiebig ihre funkelnden Federn. Als Samy sie fragte, warum Perfidis die Gallier so sehr hasste, plusterte sich Arberella auf, drehte den Kopf weg und tat sehr geheimnisvoll. „Ach, dieser Perfidis“, krächzte sie ausweichend. „Er ist einfach ein jugendlicher Heißsporn. Macht euch darüber keine Gedanken.“

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Dami sah Schokolade vielsagend an. Der Propeller des kleinen Flugzeugs begann sofort tatendurstig zu surren. „Wenn sie nicht mit der Sprache herausrückt, müssen wir eben zu den Römern und mit dem Boss reden“, brummte Schokolade pragmatisch.

Mit einem mutigen Satz schwangen sich die Kinder auf seine Tragflächen. Schokolade startete, flog in einem weiten Bogen über den Wald und landete mit lautem Knattern und einer großen Staubwolke mitten im römischen Feldlager. Die strammstehenden Legionäre starrten das fliegende, braune Wunderwerk mit offenen Mündern an. Sogar ihre ständigen Begleiter, die schwarzen Raben, verstummten für einen Moment vor Schreck.

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Doch plötzlich schnappte Dami nach Luft und zeigte starr vor Schreck in den Himmel. Der lila Wirbel ihres Zauberspiegels, der hoch über ihnen schwebte, zuckte unruhig und wurde immer kleiner! Er war nur noch so groß wie ein Reifen.

„Oh nein! Der Spiegel! Die Tür schließt sich!“, rief Dami panisch.

Samy zögerte keine Sekunde. „Ich muss zurück! Ich muss das Klavier spielen, um ihn wieder aufzumachen, sonst sitzen wir hier für immer fest!“, rief sie mutig. Sie nahm Anlauf auf Schokolades Tragfläche, sprang mit aller Kraft ab und quetschte sich gerade noch so durch das schrumpfende lila Loch, bevor es zu einem winzigen, flimmernden Punkt zusammenschrumpfte.

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Samy war weg. Und bevor Dami und Schokolade überhaupt begreifen konnten, was das bedeutete, erholten sich die Römer von ihrer Überraschung. Die Raben krächzten plötzlich laute, harsche Befehle. Die Legionäre umringten das Flugzeug mit gezogenen Speeren.

„Ein wundersames Gerät! Das müssen wir sofort für den großen Cäsar sichern!“, rief ein Kommandant. Bevor Schokolade seinen Motor wieder aufheulen lassen konnte, warfen die Soldaten schwere, eiserne Ketten über seine Tragflächen und Räder. Er saß in der Falle.

Dann packte ein stämmiger Soldat Dami am Kragen seiner Jacke. „Und was haben wir hier? Dieser Junge hat keinen Vogel! Ein Vogelloser!“, lachte der Soldat grob. „Perfekt. Du bist ab heute ein Diener und wirst die Gemächer von Julius Cäsar putzen!“

Dami schluckte schwer, als er von den Soldaten in Richtung des großen Steinpalastes am Ende des Lagers gezerrt wurde, während Schokolade traurig mit dem Propeller zuckte. Hoffentlich beeilte sich Samy!

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Gefangen im Palast

Dami wurde gezwungen, sich eine viel zu große, kratzige Leinentunika anzuziehen. Dann wurde er in einen riesigen Raum mit glänzendem Marmorboden geführt. Dort musste er mit einem Besen den Staub zusammenkehren, den Julius Cäsar und seine Legionäre mit ihren schweren Sandalen hereinbrachten. Der mächtige Feldherr schien nervör. Mal lief er unruhig auf und ab, dann setze er sich wieder hin. Stets an seiner Seite war Perfidis, ein riesiger schwarzer Rabe, der unablässig in Cäsars Ohr krächzte.

„Gibt es Neuigkeiten? Ist sie gefangen?“, fragte er düster. „Diese hinterlistige Stiefmutter wird mir nicht entkommen!“

Dami horchte auf. Stiefmutter?

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Währenddessen schoss draußen im Römerlager Samy wie eine Kanonenkugel aus dem lila Wirbel, der plötzlich wieder riesengroß am Himmel über dem Römerlager flimmerte. Sie hockte tief auf ihrem Skateboard, die lila Locken wehten wild im Fahrtwind. Als sie die staubige Erde berührte, nahm sie sofort Tempo auf. Sie zickzackte geschickt zwischen den eckigen Zelten hindurch, direkt auf den Platz zu, wo Schokolade in dicken Eisenketten lag.

Zwei breitschultrige Wachen kreuzten ihre Speere. Aber Samy dachte gar nicht daran anzuhalten. Mit einem mutigen Tritt aufs Heck ihres Boards sprang sie samt Skateboard in die Luft, flog über die verdutzten Wachen hinweg und landete krachend direkt neben dem Flugzeug. Bevor die Wachen sich umdrehen konnten, hatte sie den eisernen Riegel der Ketten weggeschlagen.

„Motor an, Schokolade!“, rief Samy. Der Propeller heulte sofort mit einem dröhnenden, befreiten Knattern auf. Die Wachen ließen vor Schreck ihre Speere fallen. „Wir müssen Dami aus dem Palast holen!“

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Im Palast rief Cäsar ärgerlich: „Ich brauche jetzt ein Bad, meine Schulter ist ganz steif!“ Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und verschwand durch eine große Holztür.

Auf einmal war es totenstill in dem großen Saal. Dami hielt den Besen fest umklammert. Perfidis saß auf einer Marmorsäule und starrte den Jungen mit seinen kalten, schwarzen Augen an. Dami schluckte schwer, aber dann nahm er seinen ganzen Mut zusammen. Er legte den Besen beiseite und trat einen Schritt vor.

„Habe ich das gerade richtig verstanden“, fragte Dami leise, aber fest, „ist Arberella deine Stiefmutter?“

Der Rabe plusterte sein dunkles Gefieder auf. Dass ein Mensch ohne Vogel wagte, ihn direkt anzusprechen, schien ihn zu überraschen. „Ja“, krächzte er, „und dafür wird sie büßen. Sie hat meinen Papa bezirzt. Das habe ich ihr nie verziehen.“

Dami war verwirrt. „Warum denn? Hat dein Papa sich etwa nicht mehr um dich gekümmert, nachdem er sie kennengelernt hat?“

Perfidis flatterte unruhig mit den Flügeln. „Doch. Aber das tut nichts zur Sache! Bevor diese Piepmätzin da war, hatte mein Papa immer nur Augen für mich. Aber als sie auftauchte, musste ich plötzlich teilen. Ich hasse sie! Und seit mein Papa vor einigen Jahren gestorben ist, denke ich nur noch an Rache.“

Dami sah den großen Vogel an. Er dachte an seine zu Hause.

„Also“, fing Dami ruhig an, „mein Papa und meine Mama haben sich auch getrennt. Ich kenne also gut, wovon du sprichst.”

Perfidis hörte auf zu flattern und legte den Kopf schief.

„Mein Papa hat inzwischen auch eine neue Freundin. Anfangs mochte ich die auch nicht, gar nicht. Aber inzwischen finde ich sie echt lieb“, erzählte Dami weiter. „Sie spielt immer so toll mit mir und wir tanzen gerne. Und mein Papa sieht sehr glücklich aus mit ihr - das freut mich auch.“

In dem großen Saal hörte man nur das leise Plätschern aus Cäsars Baderaum. Perfidis wirkte abwesend, so als wären seine Gedanken ganz weit weg, an einem anderen Ort oder vielleicht in einer anderen Zeit.

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In diesem Moment flog die Badetür auf. Cäsar stapfte mit einem nassen Handtuch um die Hüften herein. „Ich habe Hunger!“, rief er herrisch. „Bringt die Speisen!“

Doch bevor Dami auf Cäsars Anweisung reagieren konnte, ertönte von draußen plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm. Ein Schatten verdunkelte die hohen Fenster. Mit einem gewaltigen Rucksen landete Schokolade direkt im offenen Innenhof des Palastes und rollte in die Halle. Samy stand auf seiner Tragfläche, die Hände in die Hüften gestemmt.

„Wir sind gekommen, um Dami zu retten!“, rief sie laut durch den Saal. „Lass unseren Freund sofort frei!“

„Und wir wollen, dass ihr endlich Frieden mit den Galliern macht!“, brummte Schokolade.

Cäsar öffnete den Mund, um nach seinen Wachen zu rufen. Doch da breitete Perfidis seine großen, schwarzen Flügel aus und flog in die Mitte des Raumes.

„Halt!“, krächzte der Rabe unerwartet laut. Er sah halb zu Cäsar und halb zu den drei Freunden. „Niemand ruft die Wachen.“ Er blickte zu Dami hinüber. „Ich muss mit Arberella sprechen.“

Samy und Schokolade blickten Dami überrascht an. Und Julius Cäsar starrte seinen Vogel an, als habe er den Verstand verloren.

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Das Amulett des Friedens

Ein Schatten, so dunkel wie die Nacht, mit enormen Schwingen, glitt lautlos über den schlafenden Wald. Perfidis flog voraus, sein gewaltiger Rabenleib wies den Weg. Dicht hinter ihm folgte Schokolade. Dami und Samy hockten auf den Tragflächen. Dami hatte seine Arme um den in der Mitte sitzenden Cäsar geschlungen. Der mächtige Feldherr, gehüllt in seine kaiserliche Tunika, hielt mit einer Hand sich und mit der anderen seinen Efeukranz fest. Seine Augen starrten halb bewundernd, halb angsterfüllt auf das fliegende Wunderwerk unter ihm.

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Als Schokolade auf dem Dorfplatz der Gallier landete, herrschte augenblicklich Totenstille. Die Fackeln flackerten unruhig, als die Gallier ihre Becher sinken ließen. Die Kea-Papageien sträubten ihr Gefieder, ihre Augen wurden zu kleinen, funkelnden Schlitzen. Inmitten der Menge stand Arberella auf der Schulter von Bravurix. Ihre smaragdgrünen Federn, durchzogen von den neuen, magischen Blitzen in Saphirblau und Gold, begannen hell zu leuchten. Ihr Blick, als sie den herabschwebenden Raben sah, war tief und voller uraltem Wissen.

Perfidis landete mit einem leisen Kratzen seiner Krallen auf dem Boden. Er neigte seinen edlen Kopf. „Arberella“, setzte er an, und seine Stimme war kein raues Krächzen mehr, sondern klang wie das Brechen von Eis im Frühling, „der Junge ohne Vogel hat mein Herz berührt. Er sprach von Schmerz und neuem Licht. Ich... ich bin müde von diesem Krieg.“

Arberella schwieg einen Moment. Das Licht in ihren Federn pulsierte im Rhythmus ihres Herzschlags. Als sie sprach, klang ihre Stimme wie der Wind, der durch alte Eichen rauscht, weise und voller Magie. „Das Lied des Grolls ist ein lautes Lied, Perfidis. Es übertönt das Flüstern der Wahrheit. Dein Vater... sein Geist weint, wenn er diesen Krieg sieht.“

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Dami, der Cäsar geholfen hatte, von Schokolade herunterzuklettern, trat vor. Er sah, wie Cäsar sich vor der leuchtenden Papageien-Königin verneigte. Samy drückte Damis Hand fest.

Arberella wandte ihren Blick Perfidis zu. Ihre Stimme wurde leiser, fast zärtlich. „Als dein Vater... als sein letzter Atemzug in den Himmel stieg, lag sein Kopf auf mir. Seine Krallen hielten etwas fest.“

Aus den tiefen Falten ihrer bunten Schwingen holte sie ein Amulett hervor. Es war aus purem Gold und Obsidian gefertigt, geformt wie zwei ineinander verschlungene Flügel. „Er gab es mir“, hauchte Arberella, und eine kleine Träne glitzerte in ihrem Auge. „Mit seinem letzten Wunsch bat er mich, es dir zu überreichen und uns zu versöhnen. Endlich kann ich seinen Wunsch nun erfüllen!”

Ein Raunen ging durch die Menge. Die Papageien hörten auf zu flüstern. Perfidis starrte das Amulett an, seine Augen wurden groß und dunkel. Er trat einen Schritt vor. Seine Schwingen zitterten leicht. Als Arberella ihm das Amulett reichte, berührte er das Gold mit seinem Schnabel.

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In diesem Moment geschah etwas Wundersames. Ein warmes, goldenes Licht ging von dem Amulett aus, welches Arberella, Perfidis, die Gallier und die Römer einhüllte. Das Licht war so hell, dass alle für einen Moment die Augen schließen mussten. Als sie sie wieder öffneten, hatte sich alles verändert. Arberellas Federn strahlten in ihrer vollen, bunten Pracht, aber ruhig und friedlich. Perfidis' Gefieder schien weicher, seine Augen tiefer und klarer.

Als hätten sie sich abgesprochen, flatterten alle Kea-Papageien und Raben, die zuvor auf den Schultern ihrer Menschen gesessen hatten, gleichzeitig in die Luft. Sie sammelten sich in einem riesigen Wirbel über dem Dorfplatz. Arberella und Perfidis erhoben sich ebenfalls und flogen an die Spitze des Schwarms. Als sie hoch über den Köpfen der Menschen schwebten, begannen Arberella und Perfidis gemeinsam zu singen. Ihre Stimmen verschmolzen zu einem freudigen Lied, das durch das ganze Tal hallte.

„Wir haben beschlossen, dass unser Platz in den Wolken ist. Im Wind, im Regen, in der Freiheit. Und so entlassen wir euch, Menschen, ebenfalls in eure Freiheit. Haltet Frieden, nicht weil wir es befehlen, sondern weil eure Herzen es wollen.“

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Ein Jubel brach aus. Die Menschen – Gallier und einige Römer, die Cäsar gefolgt und zwischenzeitlich fast unbemerkt dazugestoßen waren – fielen sich in die Arme. Die Vögel flogen in einem weiten Bogen in Richtung des Waldes und verschwanden im Sternenlicht.

Cäsar sah zu Dami und Samy. Sein Efeukranz war verrutscht, aber sein Blick war stolz. „Ich werde meine Truppen abziehen“, erklärte er. „Nicht weil ein Rabe es mir befohlen hat, sondern weil ich Frieden sehe.“ In dieser Nacht feierten Gallier, Römer und die drei Freunde das erste Mal gemeinsam. Es gab Wildschweinbraten für alle - und Schokolade bekam eine Portion feinstes Öl spendiert.

Inmitten des Jubels blickte Samy zum Himmel. Der lila Wirbel des Zauberspiegels über dem Wald begann hell aufzuflackern. Er wurde immer größer und pulsierte im Takt einer fernen Klaviermusik. „Dami“, flüsterte Samy, und ihr Gesicht strahlte vor Glück. „Hörst du das? Das Klavier! Der Spiegel ruft uns nach Hause.“

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